Tipp KW 10 – 2018

Schlagworte wie Digitalisierung, digitale Transformation oder auch digitaler Wandel sind Alltag in der heutigen Geschäftswelt. Diese Begriffe meinen in diesem Zusammenhang einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der die gesamte Gesellschaft und insbesondere Unternehmen betrifft.[1] Solche Veränderungsprozesse beginnen zwingend mit einer Anpassung der Unternehmenskultur bzw. der Etablierung einer digitalen Kultur. Eine digitale Kultur ist geprägt durch folgende Begriffe:

  • Agilität in Unternehmen heißt, dass die Organisationsstruktur schnell anpassungsfähig ist. Neue Ideen und Impulse werden dynamisch und bedarfsgerecht umgesetzt.
  • Durch autonomes Arbeiten gewähren Unternehmen Ihren Mitarbeitern Freiräume. Anwendungsbeispiele sind u. a. flexible Arbeitszeitmodelle oder auch der Einsatz von digitalen Tools, die es möglich machen, ortsunabhängig zu arbeiten.
  • Mit einer interdisziplinären und bereichsübergreifenden Kollaboration fördert man den Austausch zwischen Mitarbeitern. Ziel ist es, durch gegenseitige Unterstützung Wissen aufzubauen und Silo-Denken abzubauen.
  • Eine digitale Kultur hat im Kern eine hohe Kundenorientierung. Der Kunde steht im Mittelpunkt des Denkens und Handels. Seine Wünsche und Bedürfnisse werden kontinuierlich mittels von digitalen Daten analysiert.
  • Der Punkt Entrepreneurship meint in Bezug auf eine digitale Kultur, dass das eigene Geschäftsmodell kontinuierlich analysiert und an sich ändernde Marktverhältnisse angepasst wird.
  • Digitale Technologien unterstützen bei der Digitalisierung von Prozessen und stellen sicher, dass Entscheidungen datenbasiert getroffen werden können.
  • Der Mitarbeiterfokus wird unter dem Punkt Digital Leadership Eine digitale Kultur ist geprägt durch die fokussierte Orientierung am Mitarbeiter.
  • Innovation und Innovationsfähigkeit steht für ein Umfeld, dass experimentierfreudig und aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen ist.

Eine digitale Kultur ist ein Zusammenspiel der oben aufgezählten Dimensionen. Hinzu kommen Offenheit, Lernbereitschaft sowie Veränderungsfreude.[2]

Im Folgenden wird eine Handlungsempfehlung in drei Schritten formuliert, die Sie für die Umsetzung einer digitalen Kultur nutzen können:

  1. Definieren Sie ein Zielbild
  2. Schaffen Sie Voraussetzungen
  3. Entwickeln Sie weiter

 

1. Definieren Sie ein Zielbild

Es ist von Bedeutung, dass Visionen und Ziele für eine digitale Kultur vorab definiert werden. Je klarer und genauer Sie Ihre Ideen formulieren, desto besser lässt sich ein Zielbild im Anschluss umsetzen. Mit genauen Formulierungen beugen Sie eventuellen Missverständnissen während der Implementierung vor und können es gut an Ihre Mitarbeiter kommunizieren. Ihre Vision stellt die Grundlage für den persönlichen Digitalisierungsfahrplan dar. Beantworten Sie Fragen nach Werten in einem digitalen Unternehmen. Warum gehen Sie die Digitalisierung an? Analysieren Sie auch aktuelle Herausforderungen und Probleme der Kultur, um so eine Grundlage für langfristige Werte und Visionen zu legen. Die definierte Vision sollte in die Unternehmensziele integriert werden.

Der digitale Wandel hat Einfluss auf alle Bereiche des täglichen Arbeitens. Aus diesem Grund sollten Sie auch über mögliche Anpassungen Ihrer Organisationsform nachdenken. Besondere Eignung für eine digitale Kultur haben das so genannte Gegenstromverfahren (Veränderungen werden sowohl top-down als auch bottom-up initiiert) oder der Multiple-Nucleus-Ansatz (Zeitgleicher Start von Veränderungen an verschiedenen Stellen des Unternehmens).

Ein besonders wichtiger Faktor für die Etablierung einer digitalen Kultur ist die Einbeziehung Ihrer Mitarbeiter. Informieren Sie Mitarbeiter über Veränderungen durch offene Kommunikation der Ziele und Ursachen für einen Veränderungsprozess. Motivieren Sie durch beispielsweise die Delegation von Verantwortung, materielle und immaterielle Anreizsysteme und eine höhere Fehlertoleranz, um so die Angst der Mitarbeiter vor Veränderungen zu nehmen. Sehen Sie Fehlschläge als Teil eines Entwicklungsprozesses und als wichtigen Lernprozess. Weiterbildungen für Mitarbeiter helfen dabei, dass sich Mitarbeiter für die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen in Arbeitsabläufen und Anforderungen qualifizieren können.

 

2. Schaffen Sie Voraussetzungen

Digitale Transformation erfordert auch eine Anpassung von gewohnten Arbeitsformen. Wichtig für eine digitale Kultur ist eine Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams aus allen Hierarchieebenen. So können Sie sicherstellen, dass alle Informationen schnell bei allen Beteiligten ankommen und gleichzeitig alle verstehen, warum Veränderungen vorgenommen werden.

Durch digitale Transformation entstehen neue und veränderte Arbeitsformen und -methoden. Der Einsatz von und die Arbeit mit Methoden wie z.B. Scrum, Kanban oder Design Thinking fördert eine digitale Kultur. Diese neuen Methoden erfordern gleichzeitig ein Aufbrechen bisheriger Arbeitsräume. In der Methode Design Thinking ist der Raum ein wichtiger Bestandteil des Arbeitens. Schaffen Sie kreative Räume oder Labs, um diesen Methoden Platz zu geben und ein aktives Arbeiten mit dem Raum zu ermöglichen. In neu etablierten Innovationsteams bzw. -abteilungen kann so im Rahmen neuer Arbeitsformen gearbeitet und getestet werden. Prototyping hilft Ihnen dabei, schnell Stärken und Schwächen von Ideen zu finden, bevor diese im gesamten Unternehmen ausgerollt werden. Weiterhin sollten digitale KPI festgelegt werden, an denen Sie umgesetzte Maßnahmen und Veränderungsprozesse messen können.

 

3. Entwickeln Sie weiter

Die Phase der Weiterentwicklung richtet ihren Blick in die Zukunft und nimmt starken Bezug auf den Mitarbeiter. Es ist wichtig, dass Sie digitale Talente fördern und das Einstellen von Mitarbeitern mit digitalem Wissen vorantreiben. Damit alle Mitarbeiter vom gesamten Wissen profitieren können, empfiehlt es sich, eine Kollaborationsplattform einzuführen und digitale Medien zu nutzen. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter die Projekte aktiv mitgestalten.

Die Etablierung einer digitalen Kultur ist zwingend mit Ihren Digitalisierungsvorhaben verknüpft. Sie schafft Grundlagen für eine zukunftsbasierte Zusammenarbeit. Wie immer wieder in Publikationen betont wird, funktioniert eine „Industrie 4.0 nicht mit einer Unternehmenskultur 0.4“[3] Ganz im Sinne des digitalen Wandels und neuer Arbeitsformen bieten sich in allen beschriebenen Phasen Iterationsstufen an – gehen Sie regelmäßig einen Schritt zurück, um Anpassungen vorzunehmen. So lässt sich frühzeitig überprüfen und erkennen, ob der aktuelle eingeschlagene Weg noch der Richtige ist. Bezugnehmend auf das Thema Mitarbeiter sind Iterationen wichtig, da sie so in einem kontinuierlichen Prozess eingebunden werden und die größte Angst (Verlust von Arbeitsplätzen) genommen werden kann.

 

– Tine Schellenberg (Beraterin)
junokai

 

 

[1] Michael Wolan: Digitale Innovation: Schneller. Wirtschaftlicher. Nachhaltiger. 2013.

[2] Capgemini Consulting: Culture First! 2017.

[3] https://www.wiwo.de/erfolg/management/digitalisierung-industrie-4-0-mit-unternehmenskultur-0-4-funktioniert-nicht/21022938.html